Freitag, 14. Juni 2013

Nebenan 13

Mit dem Schreiben meiner eigenen Artikel geht gar nicht so viel Zeit drauf. Viel mehr Zeit brauche ich, all das zu lesen, was mir auf meinen Bildschirm gespült wird. Kein leichter Stoff in dieser Woche:


Ein Waagnis. Hm? Hier auf Kleinerdrei fing es an: eine Frau entsorgt ihre Waage um sich vom Gewichtsdiktat zu befreien. Reicht das aus? Ein kluger Text dazu von Sue. Und noch einer von Antje Schrupp.  Eine Antwort auf die Reaktionen von Nina. Ich bin dankbar, dass Frauen den Mut... ähm... Verzeihung, das ist doch blöd formuliert...
Ist doch traurig, dass es Mut bedarf, über seinen Körper zu reden. Ich wiege mich seit ich 15 war. Mit 17 habe ich die erste Diät gemacht. Ich kann ganz genau sagen, welche Zahl in welchem Jahr auf meiner Waage zu sehen war. Mit 20. Vor den Schwangerschaften, danach und mittendrin. Als es mir wegen einer Schilddrüsenüberfunktion total schlecht ging, ich aber in kürzester Zeit 25 Kilo abgenommen habe, habe ich das gefeiert. Es war mir egal, dass mein Körper sehr krank war, ich jubelte nur über diese Zahl auf der Waage. Dabei ist die Waage im Grunde nur ein Schätzinstrument, wie Sven schreibt. Es ist ein ständiger K(r)ampf.

Ich schrieb es schon: seit ich jede Woche ins öffentliche Schwimmbad gehe, bin ich geerdet. Hab Frieden gemacht. Mit meinem Körper. Mit meinem Bild von anderen Körpern. Denn wir sind so vielfältig, wie die Sterne unter dem Himmel. Warum soll man meinem Körper nicht ansehen, dass ich Leben geschenkt habe? Warum soll man meinem Körper nicht ansehen, dass ich gelitten habe? Aufgeschnitten wurde an der Wirbelsäule, am Knie, Windpocken hatte, mich verbrüht habe, eine Silvesterrakete abbekommen habe? Man sieht mir an, dass ich lache und dass ich oft die Augenbrauen hochziehe. Alles ganz normal mit 36 Jahren.

Sehr schlimm hingegen, dass in Mauretanien Mädchen vor ihrer Hochzeit gemästet werden. Achtung: der Text ist ziemlich schonungslos. Das wusste ich bis jetzt noch nicht und steht im krassen Gegensatz zu den vielen Frauen, die hungern, um dünner zu werden.

Schön finde ich "The Nu Projekt" oder "A beautiful Body Projekt". Man sieht Körper von ganz normalen Frauen. Unbearbeitet.

Und wenn wir die Äußerlichkeiten hinter uns gelassen haben, besinnen wir uns auf die inneren Werte. Dann geht es um Begabungen. Da schreibt Meike Lobo über Hochbegabung. Das hat ihr viel Gegenwind beschert. Aber auch ähnlich tickende Menschen, wie Tilla, haben darüber geschrieben. Wie oft wird diese Begabung von Eltern für ihre Kinder herbeigesehnt. Als Mutter eines getesteten hochbegabten Kindes sage ich dazu nur soviel: ich hätte es mir lieber nicht gewünscht.


Hui, das war jetzt wirklich keine leichte Kost. So viel mehr könnte ich noch zu den einzelnen Themen schreiben. Danke fürs Lesen!

Junifrühstück

Kommentare:

  1. Nun, in der Tat, das ist sehr viel zu lesen. Das schaffe ich sicher nicht. Aber deine Zusammenstellung klingt interessant - auch, wenn es, wie oft, immer die selben Verdächtigen sind.

    Das Bild ist ... lecker!

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    1. Danke, Mark!
      Nun, es kommt auf die Filterbubble an, ob es immer die selben Verdächtigen sind ;-)

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  2. Der Link zu Tilla raubt mir gerade den Atem. Danke dafür.

    Grüsse, Christine

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  3. Liebe Carola,

    danke, danke, danke ! Das ist so toll, dass Du -so ehrlich- über das Thema Frausein/Figur/Körpergefühl schreibst ! Das tut so gut !
    Warum soll man meinem Körper nicht ansehen, dass ich wunderbare Kinder geboren habe, Narben habe, Falten und grauer werdende Haare....das bin doch immer noch ich ! Aber ich habe bis vor ein paar Jahren auch Diäten gemacht, abegenommen...zugenommen und sage heute: "Nie wieder !" Heute darf ich so sein, wie ich bin oder besser, wie ich noch sein werde !
    Ich finde diesen ganzen Wahn der jungen Mädchen (durch diverse Fernsehsendungen) schlimm ! Das ist ein völlig falsches Weltbild !

    Ich habe auch einen getesteten, hochbegabten Sohn. Ich wäre auch froh, wenn es nicht so wäre ! Das hätte uns und vor allem unserem Sohn viel Leid in der Schulzeit erspart ! Durch einen Umzug und Schulwechsel, haben wir es an der jetzigen Schule für uns behalten....das ist zwar traurig, aber alles andere bringt nur Probleme mit sich !

    Ich wünsche Dir ein schöne Wochenende,
    Birgit

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  4. Liebe Frau Frische Brise, ich finde es immer wieder so toll, dass Sie uns auf viele lesenswerte Blogs bzw. Posts aufmerksam machen. Da würde ich sonst nie landen. Wie Sie mal so schön sagten, jeder lebt in seiner eigenen Blase oder so. Das stimmt.
    Herzliche Grüße

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  5. Der Schlankheitswahn ist wirklich nicht mehr auszuhalten. Vor Jahren saß ich entspannt mit einer (damals) guten Freundin in der Sauna, da fragte sie mich, warum ich eigentlich nicht mal Heilfasten mache.
    Ich bin keinesfalls stark übergewichtig. Aber auch wenn ich es wäre, möchte ich nicht pausenlos auf mein Gewicht oder irgendwelche körperlichen Mängel hingewiesen und reduziert werden. Mach ich selber auch nicht bei anderen. Genauso wenig wie ich ihnen erzähle, wenn ich ihre Stimme zu hoch finde. Oder rote Haare doof. Und für mich ist nichts schrecklicher als die Vorstellung, dass wir alle gleich aussehen. Wie unendlich langweilig.
    Irgendwo - womöglich in diesem Blog? - hab ich mal gelesen, man soll sich bewußt machen, dass man vielleicht nicht die schönsten Beine der Welt hat. Aber wenn man mit ihnen läuft, tanzt, radfährt... dann darf man sich wirklich freuen, was für tolle Beine man hat!
    Ganz ehrlich: Falls man kurz vor seinem Tod noch Gelegenheit hat, eine Bilanz zu ziehen: Da wird kaum vorkommen, wieviel man wann gewogen hat. Nee. Da wird vorkommen, ob man gelebt hat. Geliebt. Leben weitergegeben hat. Und Liebe. Anderen geholfen hat. Ob sich jemand an einen erinnert. Und wenn dann meine Speckröllchen auch in Erinnerung bleiben - nun denn. Ist mir ehrlich gesagt lieber, als wenn eine Diät nach mir benannt wird.
    Liebe Grüße
    Christine

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  6. Ja! Genau! Warum darf man einem Körper nicht ansehen, dass er etwas erlebt hat? Warum darf er die Geschichte seines Lebens nicht erzählen? Warum sind nur "unbeschriebene Blätter" schön?! Ich begreife es auch nicht.

    Ich bin zwar schlank und hatte zum Glück auch nie große Probleme mit meinem Körper, aber 31 Jahre und zwei Kinder gehen an keiner Frau spurlos vorbei. Und manchmal erwische ich mich doch dabei im Bad zu stehen und zu denken: Früher war´s doch fester/straffer/mehr/weniger/schöner. Als ich aber den neuen Mann an meiner Seite kennengelernt habe und er mich irgendwann zwischendurch fragte, ob ich mit meinem Körper zufrieden bin, sagte ich wie aus der Pistole geschossen: "JA! Mein Körper hat zwei Kinder wachsen lassen und ernähren können. Der hat so wunderbare Dinge geleistet, der darf und muss genau so sein wie er ist." Erst habe ich mich zwar vor mir selber erschocken, aber jetzt muss ich immer wieder daran denken, wenn ich wieder im Bad stehe und schon lache ich.

    LG Anja

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