Freitag, 14. Juli 2017

Endspurt

"Sehen Sie, was ich sehe? Sie kennen sich doch schon aus, nicht wahr?!" Die Ärztin im riesigen Universitätsklinikum fährt mit der Sonde des Ultraschallgerätes ganz unten über meine Bauchdecke. Auf dem Monitor ist bildschirmfüllend ein großes Oval zu sehen. Ja, ich sehe es auch: es ist eindeutig der Kopf meines Babys. UND ER LIEGT UNTEN!!!

Die letzten Wochen war ich etwas angespannt. Tränen sind auch geflossen. Das Baby saß mit seinem Popo in meinem Becken und rührte sich nicht. Mehrmals täglich machte ich Übungen, ölte meinen Bauch und leuchtete dem Baby mit einer Taschenlampe den Weg. Alles, damit das Baby sich mit dem Kopf nach unten dreht. In die perfekte Startposition für eine Geburt. Nur ca. 4% der Babys liegen zur Geburt noch in Beckenendlage. Sollte unser Baby etwa zu diesen seltenen Persönchen gehören?

Ich sah die Chance auf eine Hausgeburt schwinden. Mit einer Beckenendlage müsste ich zur Geburt auf alle Fälle in ein Krankenhaus gehen. Dann wäre die Suche nach einer Hebamme und alle Vorbereitungen in der Schwangerschaft umsonst gewesen. Ich hätte im Krankenhaus keine Hebamme dabei, die mir vertraut ist, was mir enorm wichtig ist. Durch die Seltenheit einer Beckenendlage hätte ich in der Klinik trotzdem wahrscheinlich (zu) viel Personal um mich herum und würde nicht alleingelassen werden, wie so viele Frauen im Moment unter der Geburt. Auch beruhigend irgendwie, aber ach...

Ich wollte vorher noch die äußere Wendung probieren. Dabei wird von ärztlicher Seite und unter OP-Bereitschaft versucht, mit gezielten Handgriffen von außen das Baby im Bauch zu drehen. Die Chance, dass sowas klappt, liegt bei etwas über 50%. Sollte dabei etwas Unvorhergesehenes passieren, würde das Baby sofort per Kaiserschnitt geholt werden. Auch damit hatte ich mich nun schon abgefunden und den Kaiserschnitt eingeplant.

Diese Woche stand also der Beratungstermin an. Ich fuhr eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ans andere Ende der Stadt. Das Universitätsklinikum ist das größte Krankenhaus, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Um zur Station für Geburtshilfe zu gelangen, musste ich das gesamte Gebäude mit seiner bahnhofsähnlichen Empfangshalle, Rolltreppen und seinen langen Fluren bis ganz nach hinten durchqueren und dann mit dem Fahrstuhl ganz nach oben fahren.

Ich war ziemlich aufgeregt und auch gespannt, was die Untersuchung ergeben würde. Vielleicht ließe sich ja auch irgendein Grund für die Sitzblockade des Babys erkennen? Nach einem kurzen Gespräch kommt die Ärztin gleich zur Sache. Ich darf mich auf eine Liege legen und schon gehts los. Wir sehen es sofort: das Baby liegt mit dem Kopf nach unten in perfekter Startposition.

Mir kommen die Tränen und die ganze Anspannung der letzten Wochen fällt von mir ab. Ich kann das gar nicht glauben. Noch vor einem Tag hatte die Hebamme doch noch nach dem Baby getastet, war sich allerdings nicht ganz sicher. Mir fällt die eine Nacht vom Wochenende ein, in der ich fast nicht geschlafen habe und zwei Mal von dem Gerumpel in meinem Bauch aufgewacht bin. Und seit zwei Tagen zieht und piekst es ganz schön nach unten. Uff. So kann es nun gerne bleiben. Niemand rührt sich vom Fleck, bitte!

Und sonst so? Ich kann es kaum glauben, dass nun schon der Endspurt der Schwangerschaft begonnen hat. In nur noch +/- 30 Tagen werden wir unser Sommermädchen in den Armen halten dürfen. In 9 Tagen beginnt die offizielle Rufbereitschaft unserer Hebamme. Ab diesem Zeitpunkt darf das Kind zu Hause zur Welt kommen. Eine Kliniktasche habe ich trotzdem gepackt und mich auch in der nächsten Klinik angemeldet.

Bis auf meine langsame Watschelei geht es mir ganz gut. Ich komme schneller aus der Puste und mein Becken fühlt sich klapprig an. Wenn mir etwas runterfällt, lasse ich es auch schonmal liegen. Das Umdrehen im Bett fällt mir schwerer. Ohne mein langes Seitenschläferkissen gehe ich nirgendwo hin. Haut und Haare sind prima, vom Sodbrennen werde ich im Moment zum Glück verschont. Die Vorwehen haben zugenommen und kommen am Abend fast alle halbe Stunde.

Für die Hausgeburt ist alles vorbereitet. Mit der Hebamme und ihrer Kollegin, die sie zur Geburt rufen wird, sind wir beim Vorbereitungsgespräch eine detaillierte Liste durchgegangen. Kuschelige Handtücher und Einmalunterlagen sind genügend vorhanden. Malerfolie wird immer wieder empfohlen. Die habe ich aber noch nie gebraucht und die werde ich auch niemals verwenden. Das kriege ich im Kopf beim besten Willen nicht mit Geburt zusammen. Ich habe für den Boden eine weiche, extra dicke Gymnastikmatte und einen doppelt großen wasserundurchlässigen Matratzenschoner* besorgt. Ich weiß, ich werde mich eh nicht im Bett oder auf dem Sofa aufhalten, da ich mich unter der Geburt eher in aufrechter Haltung wohlfühle.

Eine gute Lampe haben wir, die ersten Anziehsachen fürs Baby liegen bereit, bequeme Kleidung für mich auch und eine genau gehende Uhr, klar. Papierkram für die Anmeldung des Babys beim Standesamt, den großen Bluttest auf Stoffwechselstörungen und das neue Vorsorgeheft für Kinder sind schon vorbereitet. Der Kinderarzt ist auch informiert. Jetzt fehlen noch ein paar Müsliriegel für uns und eventuell hungrige Hebammen und dann, ja dann fehlt uns nur noch das Baby :-)


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Kommentare:

  1. Hach! Alles wird gut! Alles ist gut :) Und diese letzten Wochen sind immer etwas ganz Besonderes, auch wenn man schon geboren hat <3

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  2. Oh, da kann ich so mitfühlen. Beim ersten Kind lag der Beratungstermin schon hinter uns, der Termin für die äußere Wendung knapp vor uns. Auch vieles andere hatten wir probiert: Moxen, Ölen, Licht, Spieluhr. Akupunktur... Dann bin ich nachts mit Blutungen wach geworden. Im Krankenhaus die Überraschung: Das Baby hatte sich gedreht und dabei, weil es schon so wenig Platz hatte, wohl selbst leicht die Plazenta verletzt. Auch Kind 2 und 3 waren "Spätdreher". Beim 3. hatten meine Hebamme und ich schon überlegt, es dann einfach so herum zu versuchen. Letztendlich sind aber doch alle 3 aus der Beckenendlage auf natürlichem Weg (im Krankenhaus) zur Welt gekommen. Alles Gute weiterhin!

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    1. Da hat man was zu erzählen, dankeschön!

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  3. Glückwunsch - was für ein Glück, dass es doch noch geklappt hat. Uns trennen zwar wenige Tage, aber bislang habe ich noch immer nichts vorbereiten können, was mich langsam ein bisschen deprimiert ...

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  4. Woooow! Das ist ja toll!
    Was für eine Erleichterung!
    Ich hatte das die letzten Wochen immer im Kopf und war schon ganz gespannt!
    Nun kannst Du die Geburt doch ganz beruhigt zu Hause abwarten!

    Wie hätte ich mich letztes Jahr über diese Nachricht gefreut!
    Aber es wurde dann trotz BEL eine wunderbare Geburt. =)

    Liebe Grüße,
    Sarah =)

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    1. Danke und das ist doch schön, dass es bei Euch so gut gelaufen ist :-)

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  5. Hallo Carola,

    seit einiger Zeit lese ich schon still und gern mit, aber jetzt möchte ich mich doch mal mit einer Frage melden: Wie sieht denn euer Plan wegen eurer anderen Kinder aus? Werden sie ausquatiert oder werden sie zuhause sein während der Geburt? Bei der Geburt des Adventsjungen waren sie ja zuhause, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

    Eine ruhige und entspannte Zeit euch noch und viele Grüße!

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    1. Das stimmt, bei der letzten Geburt waren alle zu Hause und haben geschlafen.

      Ich hoffe ein bisschen auf ein ähnliches Szenario.

      Ansonsten ist der Liebste für die Kinder da oder eine Freundin kommt ins Haus oder die Kinder besuchen ihre Freundinnen und Freunde. Je nach Tages- oder Nachtzeit.

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  6. Als (meistens) stille Mitleserin, kann es gar nicht erwarten!

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  7. Ich freue mich für dich 😀
    Und wünsche euch weiterhin alles Gute für die letzte Zeit der Schwangerschaft, die Geburt und eure kleine Wurzelzwergin. Hach ❤

    LG
    Katja aus Ahrensburg

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  8. Wie wunderbar!! Es freut mich sehr zu hören, dass die Zeichen jetzt auf Ankunft stehen bei euch und sich alles so gut ankündigt. Für den Endspurt wünsche ich dir und dem Baby alles Gute und dass ihr die Geburt so angehen könnt, wie du dir das wünschst!

    Lieber Gruß
    Steffi

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  9. Hey!
    Ich freu mich sehr für dich, dass sein Sommerbaby nun mit dem Kopf nach unten liegt. Mein Bauchzwerg lag bei der letzten Untersuchung auch schon richtig und ich hoffe sooo dass es so bleibt :)
    Glg Gertraud

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  10. Hach, ich freu mich für dich. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, wenn alles gut ist. Was hatte ich für Panik vor dem EG+3-Termin, den ich im KH machen musste, weil ich Angst hatte, sie würden mich gleich da behalten.
    Und nun ist unsere Kleine schon 12 Wochen alt.
    Wünsche dir eine gute Rest-Kugelzeit und eine wunderbare Geburt.
    LG von TAC

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    1. Ja, ich hoffe, da komme ich drumherum!

      Viel Spaß Euch noch miteinander!

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