Montag, 9. Oktober 2017

Unser Wochenende

In der Nacht von Freitag auf Samstag übernachtet Mutzelchens Freundin bei uns. Der Liebste steht gegen 7 Uhr auf und fährt gleich zum Wochenmarkt. Den Adventsjungen nimmt er mit. Als beide wieder zurück sind, frühstücken wir mit frischen Brötchen. Obwohl die Augustschnuppe nur ein Mal in der Nacht Hunger hatte, bin ich überhaupt nicht erholt und werde mich durch den ganzen Tag schleppen.

Windeln fehlen. Ich radle mit dem Lastenrad los, zum Drogeriemarkt. Vorher bringe ich noch einen Brief zur Post, der soll als Einschreiben weg. Es regnet. Zu Hause gibt es einen fliegenden Wechsel, der Liebste möchte ins riesige Einkaufszentrum AEZ zum Apple-Store fahren. Den kleinen Bruder und den Adventsjungen nimmt er mit. Sie finden Busfahren toll und erleben so einen kleinen Ausflug.

Ich darf die Augustschnuppe zu den großen Mädels legen und räume die Küche auf und bereite den Nudelauflauf für das Mittagessen vor. Mutzelchens Freundin bleibt gleich bei uns, denn am Nachmittag wollen wir Mutzelchens Geburtstag nachfeiern und ins Kindertheater fahren.

Wir haben in diesem Jahr lange überlegt, was wir machen sollen. Viele interessante Angebote bei uns in der Gegend wurden in den letzten Jahren schon von uns oder anderen Geburtstagsfeiern wahrgenommen. Dann fiel mir ein Faltblatt vom Theaterfestival "KinderKinder" in die Hände. Das fand ich gut. Ich habe ein Theaterstück ausgesucht, das auch für größere Kinder funktioniert. Wir möchten mal Improvisationstheater ausprobieren.


Ich sitze ein bisschen wie auf glühenden Kohlen, denn um Punkt 14 Uhr muss ich mit den Mädchen das Haus verlassen. Am nächsten U-Bahnhof treffen wir die anderen Geburtstagsgäste. Aber der Liebste ist noch unterwegs und es wird wirklich knapp. Wir fangen schonmal an, zu essen. Als wir fertig sind, ist der Liebste endlich da und wir können los. Es regnet immernoch in Strömen.

Am Bahnhof treffen alle pünktlich ein und wir machen uns auf nach Altona. Das dauert von uns aus knapp eine Stunde mit U- und S-Bahn. Die Freundinnen sind aber alle sehr gut drauf und die Fahrtzeit verfliegt im Nu. In Altona laufen wir durch eine große Einkaufsstraße bis hin zum Monsun-Theater, das sich in einem Hinterhof befindet.

Wir haben bis zur Vorstellung noch ein bisschen Zeit. So verteile ich die kleinen Lunchpakete, die ich für die Mädchen gepackt habe. Da wir erst zum Abendbrot wieder zu Hause sein werden, hielt ich das für angebracht. In einer Papiertüte befinden sich ein Quetschie, Salzbrezeln, Gummibärchen und ein Schokoriegel. Eine große Flasche Wasser haben wir auch dabei.

Dann dürfen wir in den Theatersaal, wo das Publikum auf einer Tribüne sitzt und von jedem Platz eine sehr gute Sicht herrscht. Es geht los. Die Schauspielerin Kirsten Sprick betritt die komplett leere Bühne und bekommt einen Anruf des Theaterdirektors. Sie soll ein fertiges Theaterstück abliefern und schwindelt, dass sie längst fertig wäre. Nach dem Auflegen verrät sie den Kindern, dass sie noch gar nichts hat und ihre Hilfe braucht.

Die Kinder sollen vier Vorschläge machen, wo die Geschichte spielen soll. Per Applaus wird entschieden: ein Zauberwald soll es sein. Und schon lässt die Schauspielerin nur durch Mimik, Gestik und ihrer Stimme einen Wald erscheinen. Ihr Kollege am Keyboard macht ein bisschen Lichteffekte und Nebel dazu und schon ist die Stimmung perfekt.

In der folgenden Stunde reisen wir mit einem Wesen namens "Spinatspaghetti" vom Zauberwald nach Italien, wo es Pizza backen lernt. Gereist wird zu Fuß, auf einem Einhorn und mit einem fliegenden Schlitten. Unterwegs trifft es noch einen Alien und die beiden freunden sich an. Zusammen kommen sie wieder im Zauberwald an. Zum Schluss sind alle Kinder mit auf der Bühne und tanzen gemeinsam.

Alles ist improvisiert und geschieht auf Zuruf der Kinder. Die Schauspielerin spielt das aber so gut, als hätte sie es vorher genau so geplant. Zwischendurch merkt man ihr an, wie viel Freude ihr das macht und wie sie die Kinder für ihre Phantasie bewundert. Wir haben eine Menge Spaß und verlassen sehr gut gelaunt das Theater. Draußen regnet es immernoch.

Auf dem Weg zum Bahnhof Altona kommen wir am Bonscheladen vorbei, in dem noch gearbeitet wird. Durch die Scheibe sehen wir Leute, die einen großen Zuckerklumpen zu schmalen Rollen walzen und dann in Stückchen schneiden. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Leider ist der Laden nicht mehr geöffnet, sonst hätte ich den Mädels Bonbons spendiert. Zum Spaß fangen sie vor der Ladentür laut an, zu weinen. Und sie haben Glück! Ein Mitarbeiter schließt auf und reicht uns auf einer kleinen Schaufel noch warme Bonbons mit einem kleinen Anker drauf. Rote-Grütze-Geschmack! Wir sind im Himmel und freuen uns sehr.

Gegen 19 Uhr sind wir endlich wieder zu Hause. Es ist schon dunkel und wir sind alle ziemlich durchnässt. Der Liebste hat fertige Minipizzen in den Ofen geschoben. 63 Minipizzen werden in kurzer Zeit verputzt. Dann spielen die Freundinnen noch ein bisschen in Mutzelchens Zimmer, bis es Zeit zum Abholen ist. Eine Freundin bringe ich noch über die Straße und quatsche ein bisschen mit ihrer Mutter.

Mutzelchen ist glücklich über den schönen Tag mit ihren Freundinnen. Ich freue mich, dass ich beobachten dufte, wie nett sie miteinander umgehen und wie gut sie alle zusammenpassen.

Ich gehe ziemlich früh ins Bett und schlafe sehr schnell ein. Ich wache nicht mal auf, als die Augustschnuppe einen Schreianfall bekommt, als der Liebste sie gegen Mitternacht erst wickelt und dann die Flasche gibt.




Am Sonntagmorgen geht niemand Brötchen holen. Wir haben noch ganz viele vom Vortag übrig und so probiere ich das erste Mal "Arme Ritter" aus. Das alte Brot wird in einer Mischung aus Eiern und Milch eingeweicht und dann in der Pfanne angebraten. Wir essen sie mit Zimt und Zucker und Apfelmus. Lecker, machen wir bestimmt öfter.

Am Vormittag koche ich Hühnchen, denn zum Mittagessen soll es Hühnerfrikassee mit Reis geben. Ich habe Basmatireis aus einer Kooperative von Rii Jii zum Testen bekommen und überlege noch, wie ich ihn vorstellen soll. Da muss ich mir wohl mal ein schönes Rezept ausdenken. Auf alle Fälle ist der Reis schön duftig und klebt nicht zusammen.

Mein Bruder und seine Familie besuchen uns. Meine Nichte wird nächste Woche ein Jahr alt. Sie läuft schon und unsere Kinder, besonders die Jungs sind ganz vernarrt in sie. Nach dem Mittagessen gehen wir raus und spazieren zum nächsten Spielplatz. Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel und der dunkle regnerische Vortag scheint wie ein schlechter Traum.

Am Nachmittag verabschieden wir die Familie schon wieder. Wir machen es uns auf dem Sofa bequem und schauen "Löwenzahn" und die "Sendung mit der Maus" an. Die besten Sendungen für Kinder im deutschen Fernsehen, finde ich. Der Liebste, die Augustschnuppe und ich nickern dabei ein.

Dann ist es schon wieder Abend. Die Kinder gehen in die Badewanne. Mutzelchen fallen noch die Mathehausaufgaben ein und der kleine Bruder bringt noch eine alte Brotdose. Alles wie immer also.

Später kaufe ich mir noch ein Ticket für ein sehr interessantes Konzert, das nächsten Sonntag in der Laeiszhalle stattfindet. Von der Gruppe "Trobar e Cantar" kenne ich einige Personen und bestaune immer wieder ihr Können. Gespielt wird mittelalterliche Musik auf original nachgebauten Instrumenten. Große Empfehlung für alle, die sich das mal anhören wollen!


Noch mehr Einblicke in Familienwochenenden wie immer bei Susanne.  


Kommentare:

  1. Mittelalterliche Konzerte finde ich klasse.
    Ist die Gruppe portugiesischer oder evtl. brasilianischer Herkunft? Der Name "Trobar e cantar" hört sich sehr portugiesisch an... Viele Grüsse aus Lissabon

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    1. Oh, viele Grüße zurück!

      Woher die Gründerin der Gruppe genau stammt, habe ich sie noch nie gefragt, aber das könnte sein :-)

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    2. Marcia hat eine karibische Mutter und einen Hamburger Vater. Der Name unserer Gruppe bedeutet soviel wie "Finden und singen". Wir entdecken neue Stücke, bearbeiten sie für unsere Besetzung und führen sie auf. Marcia hat Komposition studiert und ihr Mann ist Professor für Musiktheorie und Neue Musik an der Hochschule für Musik Lübeck. Ein perfektes Team.

      Marcia und ich haben uns vor 13 Jahren in der Rückbildungsgruppe unserer gemeinsamen Wandsbeker Hebamme kennengelernt. Ein Glücksmoment, der bis heute anhält. :)

      Herzlichste Einladung zum Konzert!

      LG, Sandra

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    3. Danke Sandra, Du kannst es besser erklären :-)

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  2. Arme Ritter habe ich als Kind geliebt. Bei uns gab es die immer mit Vanillesoße. Vielleicht hast Du Lust das Armeleutessen bei meiner neuen Blogaktion #Lieblingsrezepte vorzustellen oder natürlich andere ;-) Würde mich freuen.
    Ich wünsche Dir einen tollen Start in die neue Woche und hoffe das Wetter wird besser.

    Liebe Grüße

    Freya
    www.dieplaudertasche.com

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    1. Vanillesoße ist auch sehr gut!

      Ich wünsche ebenfalls eine gute Woche!

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  3. Es gibt wohl so viele Arme-Ritter- wie Kartoffelsalat-Rezepte :)
    Von meinen Omas kenne ich es so (und mache es auch selbst in dieser Art), dass das trockene Brötchen in gesüßter Milch eingeweicht, dann ausgedrückt und in Pfannkuchenteig gewendet wird. Dann in der Pfanne gebacken und mit Zimt und Zucker. Gab es immer mittwochs, das war der Tag für die 'Mehlspeisen' :)

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  4. Vielen Dank für die Erwähnung unseres Konzerts. Ich freue mich sehr Dich am Sonntag begrüßen zu dürfen. :)

    LG, Sandra

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  5. Arme Ritter sind bei uns das Sonntagsritual schlecht hin, schon in meiner Kindheit. Wir lassen die Brötchenhälften nur in einem tiefen Teller mit Milch ziehen und braten sie an. Mit Zimt und Apfelmus könnte ich es auch mal probieren! Wirklich gut schmecken Arme Ritter uns auch nur wenn die Brötchen von Hand und nicht maschinell gefertigt sind!

    Das Mutzelchen hatte wahrlich einen schönen Tag!

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