Freitag, 5. Mai 2017

Familien brauchen Hebammen!

Als viele Menschen vor ein paar Jahren wieder und wieder auf Demonstrationen und mittels Petitionen auf die Problematik des Hebammenmangels hingewiesen haben, wurde das belächelt. Es schien ausschließlich die Sache der Leute zu sein, die ihre Kinder gerne außerklinisch auf die Welt bringen wollen. Das betrifft in unserem Land eh nur 2 Prozent aller Geburten. Ein Luxus, der doch nur diese Personengruppe etwas angeht. Wer eine sichere Geburt haben möchte, geht ins Krankenhaus, oder?!

Mittlerweile wird immer mehr Menschen klar: die Problematik war und ist längst in den Geburtsstationen der Krankenhäuser angekommen! Immer mehr Kreißsäle schließen und bescheren Schwangeren weite Wege. Frauen werden unter der Geburt vom überfüllten Kreißsaal abgewiesen. Schwangere auf den Inseln müssen wegen dort geschlossener Geburtsstationen Wochen vor dem errechneten Geburtstermin aufs Festland umsiedeln, wie auf Sylt und mittlerweile leider auch auf Föhr. Und am Ende werden Gebärende unter der Geburt die meiste Zeit allein gelassen, weil eine einzige Hebamme bis zu 4 Geburten auf einmal begleiten muss. Die Kaiserschnittrate in Hamburg betrug im letzten Jahr sagenhafte 39 Prozent. Als Grund wurde explizit Personalmangel angegeben. Auch Beleghebammen gibt es immer weniger. Und nein, ein Arzt, der dabeisteht, reicht nicht. Eine Hebamme schreibt: Es brennt!  Und es liegt nicht am angeblichen Geburtenboom sondern am Hebammenmangel. Von sicheren Geburten kann da längst nicht mehr gesprochen werden.

Heute ist der Internationale Hebammentag.

Hebammen werden gebraucht. Es geht aber nicht nur um den Beruf der Hebamme, es geht um Familien. Schwangere haben ein Recht auf Hebammenhilfe während der gesamten Schwangerschaft, während der Geburt, während der Zeit des Wochenbetts und des Stillens.
Es ist unser Recht!  Und wenn ich mit der Familienplanung abgeschlossen habe, geht es um meine Freundinnen und Freunde und irgendwann um meine eigenen Kinder, die auch noch sicher ihren Nachwuchs auf die Welt bringen wollen. Familien brauchen Hebammen!


Der Verein Motherhood e.V. und der Deutsche Hebammenverband setzen sich unermüdlich für sichere Geburten ein. Auf deren Seiten finden sich viele Infos zur aktuellen Lage.


Kommentare:

  1. Das ist ein sehr guter Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht. Unsere beiden Kinder sind im Krankenhaus zur Welt gekommen und wir hatten eine Hebamme. Es geht ja nicht nur um die Geburt, ich denke da nur an die Vorbereitungskurse. Wir haben uns bei unserer Hebamme sehr gut aufgehoben gefühlt und als es dann soweit war kannten wir die Hebamme schon lange, was ich auch sehr wichtig finde.
    Gerade heute habe ich im Radio einen Beitrag zur Hebammenproblematik gehört, und dass die Politik sich um dieses Problem endlich kümmern will. Das finde ich immer total absurd, die Politik hat dieses Problem vor Jahren selbst verursacht und will es jetzt lösen. Haben wir bald Wahlen?
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Ich stimme Dir vollkommen zu!

      Schönes Wochenende!

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  2. Es ist schon so absurd, dass man von Ärzten abgewiesen wird, nur weil man die Vorsorge bei einer Hebamme machen möchte und allein den Ultraschall beim Arzt. Das habe ich erlebt und fand es eine Gemeinheit. Dabei ist es viel entspannter von einer Hebamme betreut zu werden, als jedes Mal in eine überfüllte Arztpraxis zu rennen und ewig zu warten.

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    1. Ja, das habe ich schon öfters gelesen.

      Das ist schlimm und auch nicht erlaubt.

      Alles Gute!

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  3. Das was Maggie schreibt, war der Grund, dass ich nicht mehr zu meinem damaligen FA gegangen bin. Jetzt hab ich eine neue FÄ, die zwar nicht begeistert war, dass ich auch Vorsorge bei der Hebamme hatte, aber die es trotzdem akzeptiert und mich trotzdem gut betreut hat.
    Ich bin so froh über meine Hebammen und vor allem meine Nachsorgehebamme. Ich frag mich, wie das ohne Hebamme im Wochenbett gehen soll... Gewichtskontrolle beim Baby, Tipps zur Nabelpflege, Beobachten von Gebärmutterrückbildung, Wochenfluss und Geburtsverletzungen... Kommt dann ein Arzt nach Hause oder muss die Wöchnerin dann täglich in eine Arztpraxis? Oder sogar in zwei, denn Kinderärzte und Frauenärzte haben selten Gemeinschaftspraxen...
    Es ist dringend nötig, etwas zu tun. Aber es wird wohl weiter gehen in die falsche Richtung. Irgendwann gibts nur noch Termine für Kaiserschnitte, denn die sind planbar.
    LG von TAC

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    1. Ich habe bei meiner Suche nach einer Hebamme von Hebammenpraxen erfahren, die Nachsorge in ihrer Praxis anbieten für alle Frauen, die keine Hebamme gefunden haben. Da müssen die Frauen dann halt dorthin.

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  4. Liebe Carola, danke für deinen Text zu diesem wichtigen Tag. Ich wogegen auf Föhr und habe hier wunderbar ruhig und 1 zu 1 betreut meine beiden Kunder zur Welt gebracht. Unsere Tochter so rasch, dass es die Ärztin nicht mehr rechtzeitig zu uns geschafft hat. Das war auch überhaupt nicht nötig. Alles lief gut und ich habe mich zu jedem Zeitpunkt sehr gut aufgehoben gefühlt. Es ist so traurig und unfassba frustrierend, dass dies alles nicht mehr möglich scheint und auch noch die Hebammenarbeit in ganz Deutschland so gefährdet ist.
    Der Artikel, den du zu der Inselsituation verlinkt hast, ist leider veraltet: dort geht es darum, dass Sylt geschlossen ist, seit 2015 ist der Kreißsaal auf Föhr als letzter Inselkreißsaal auch geschlossen.
    Liebe Grüße Katrin

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    1. Ja, von Föhr weiß ich natürlich auch. Sehr schlimm.

      Ich ergänze das oben im Text.

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